„Antifaschistische und antirassistische Gruppen dürfen nicht weiter durch den Verfassungsschutz und das Innenministerium diffamiert werden!“„No more defamation of antifascist and antiracist groups by the domestic secret service “Verfassungsschutz” and the Ministry of Interior!“

München, 11. April 2013

Gemeinsame Erklärung von a.i.d.a. e.V., Siegfried Benker, Bündnis gegen Naziterror und Rassismus, Eva Bulling-Schröter, Philipp Dees, Hamado Dipama, Luise Gutmann, Renate Hennecke, Angelika Lex, Xaver Merk, Florian Ritter, Maren Ulbrich, Ulli Schneeweiß und Susanna Tausendfreund

Am 17. April beginnt in München der Prozess gegen einige Mitglieder und mutmaßliche Unterstützer des NSU. Für unsere Gesellschaft hat der Prozess, die Aufklärung über den NSU und der Kampf gegen Rassismus eine nicht zu überschätzende Bedeutung.

Die Konsequenz aus dem Bekanntwerden des NSU und dem Versagen staatlicher Behörden bei der Aufklärung der rassistischen Mordserie muss ein breites gesellschaftliches Engagement gegen Rassismus und rechte Gewalt sein. Diese Arbeit wird von vielen verschiedenen Parteien, Gewerkschaften, Gemeinden und zivilgesellschaftlichen Initiativen getragen. Das bayerische Innenministerium und insbesondere das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz haben in den letzten Jahren immer wieder das wichtige antifaschistische Engagement einiger dieser Initiativen unter dem Vorwurf des „Linksextremismus“ diffamiert und behindert.Munich, April 11, 2013

Joint statement of a.i.d.a. e.V., Siegfried Benker, Alliance against Nazi-terror and racism, Eva Bulling-Schröter, Philipp Dees, Hamado Dipama, Luise Gutmann, Renate Hennecke, Angelika Lex, Xaver Merk, Florian Ritter, Maren Ulbrich and Ulli Schneeweiß

The trial against some members and suspected supporters of the NSU starts in Munich on April 17. The importance of the trial, the clearance of the actions of the NSU and the fight against racism should not be underestimated.

General public engagement against racism and rightist violence has to be the direct consequence of the NSU disclosure and the fundamental failures of national authorities during the investigations of the murder. It is mostly different parties, trade unions, communities and initiatives of civil society that take action in this direction.

Over the past years the Bavarian Ministry of Interior and especially the Bavarian Office of the Secret Service “Verfassungsschutz” has continued to defame and constrain important antifascist engagement of some of these initiatives under the accuse of “left extremism”.

Das Konzept des „Extremismus“ ist nicht nur wissenschaftlich höchst umstritten, es ist auch politisch brandgefährlich, da es antifaschistisches Engagement mit dem Taten von Neonazis gleichsetzt. 2012 konnte das Münchner a.i.d.a.-Archiv nach einem jahrelangen Rechtsstreit gegen den bayerischen Verfassungsschutz die rückwirkende Streichung aus den Verfassungsschutzberichten der Jahre 2009-2011 erreichen. A.i.d.a. stellt antifaschistischen Initiativen und einer breiten demokratischen Öffentlichkeit Informationen über die extreme Rechte zur Verfügung und ermöglicht so in vielen Bereichen ein fundiertes, zivilgesellschaftliches Engagement. Auch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) und viele andere Parteien, lokale Initiativen und Gruppen stehen im Visier des Verfassungsschutzes, sie werden systematisch überwacht und durch die Nennung in den VS-Berichten diskreditiert. Viele dieser Gruppen beteiligen sich auch an der Vorbereitung der Münchner Großdemonstration im Vorfeld des NSU-Prozesses und leisten Tag für Tag wichtige Arbeit gegen Nazis und Rassismus. Sei es durch ihr Eintreten für die Rechte von Flüchtlingen und MigrantInnen, durch Erinnerungspolitik, durch Recherchen über die extreme Rechte, durch Bildungs- und Kulturarbeit und durch politische Interventionen.

Wir fordern: Antifaschistische und antirassistische Gruppen dürfen nicht weiter durch den bayerischen Verfassungsschutz und die Verfassungsschutzberichte des bayerischen Innenministeriums diffamiert werden. Auch sie sind unverzichtbarer Teil eines gesamtgesellschaftlichen Engagements gegen Rassismus und rechte Gewalt und damit für eine offene, demokratische Gesellschaft.

Die Unterzeicher_innen:
Antifaschistische Informations- Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a. e.V.)
Bündnis gegen Naziterror und Rassismus
Siegfried Benker (Bündnis 90/Die Grünen München)
Eva Bulling-Schröter (MdB, Landessprecherin LINKE.Bayern)
Philipp Dees (Vorsitzender Jusos Bayern)
Hamado Dipama (Mitglied des Ausländerbeirates der Landeshauptstadt München)
Luise Gutmann (VVN-BdA Regensburg)
Renate Hennecke (Landessprecherin VVN-BdA)
Angelika Lex (Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein)
Xaver Merk (Landessprecher LINKE.Bayern)
Florian Ritter (MdL, Sprecher der SPD-Landtagsfraktion zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus)
Maren Ulbrich (Vorsitzende Ver.di Jugend Bayern)
Ulli Schneeweiß (stellvertretender Geschäftsführer Ver.di Mittelfranken)
Susanna Tausendfreund (MdL, innenpolitische Sprecherin der GRÜNEN im Bayerischer Landtag)

While the concept of “extremism” is scientifically very controversial, it is dangerous in a political context to place antifascist engagement on the same level with neo-Nazi actions. In 2012, after years of legal proceedings, the Munich antifascist information, documentation and archives centre “a.i.d.a. Archiv” achieved the retroactive cancellation of their initiative from the reports of the “Verfassungsschutz” of the years 2009-2011. “A.i.d.a. Archiv” provides information about the rightist movemnets and groups to antifascist initiatives and a broad democratic public enabling  in this way a well-grounded engagement of the civil society.

The “Verfassungschutz” eyes also the “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” (VVN-BdA), an association of the victims and haunted of the Nazi-regime, and a lot of other parties, local initiatives and groups, spies on them systematically and discredits them by mentioning them in its annual reports.

A lot of these groups also participate in the preparations of the mass demonstration in Munich on the occasion of the NSU trial and make everyday an important contribution against Nazis and racism; be it the engagement for the rights of refugees and migrants, of politics of memory, of researches about the extreme right, of education and cultural engagement and political interventions.

We demand: No more defamation of antifascist and antiracist groups by the Bavarian “Verfassungsschutz” and its reports of the Bavarian Ministry of Interior. These groups are an essential part of an engagement in society as a whole against racism and rightist violence and hence, for an open and democratic society.

The supporters:

Antifascist information, documentation and archive centre Munich (a.i.d.a. e.V.)
Alliance against Nazi-terror and racism
Siegfried Benker (Bündnis 90/Die Grünen)
Eva Bullinger-Schröter (Member of Bundestag, Bavarian spokesperson of the party LINKE. Bayern)
Philipp Dees (Chairperson Jusos Bavaria)
Renate Henneke (Spokesperson VVN-BdA)
Angelia Lex (Republican association of lawyers)
Xaver Merk (Spokesperson LINKE.Bayern)
Florian Ritter (Member of Bavarian Parliament, Spokesperson of the SPD-Fraction for fight against right-wing radicalism)

Maren Ulbrich (Chairperson of the youth organization of the trade union Ver.di Bavaria)

Ulli Schneeweiß (Vice-executive director Ver.di Mittelfranken)