„Es bleibt die Fassungslosigkeit über den Hergang dieser widerwärtigen Verbrechen“

13. April 2013

Dies ist der bewegende Redebeitrag von Yvonne Boulgarides, Witwe des in München vom NSU ermordeten Theo Boulgarides, den sie dankenswerterweise bei der Auftaktkundgebung zur Großdemonstration anlässlich des NSU-Prozessbeginns am 13.04.2013 gehalten und zur Verfügung gestellt hat.

Der 15. Juni 2005 war ein gravierender und schrecklicher Einschnitt in das Leben meiner Kinder und in das Meine.
Mein Ehemann und Vater unserer beiden Kinder, Theo Boulgarides wurde Opfer der damals so titulierten „Döner Morde“.
Die daraus resultierenden Konsequenzen und die unsägliche Trauer hier zu beschreiben würde wohl den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen und ist in ihrer Intensität gar nicht wirklichkeitsgetreu darzustellen.
Als man die Opfer verdächtigte in kriminelle Strukturen verwickelt zu sein, erfüllte uns dies mit absoluter Fassungslosigkeit, Zweifeln und Schamgefühlen.
Heute fast 8 Jahre später bleibt jedoch nur noch die Fassungslosigkeit über den Hergang dieser widerwärtigen Verbrechen und die für uns noch immer rätselhaft unzulängliche Aufklärung.
Diese Morde und Anschläge sind nicht mehr nur eine Frage von Rechtsextremismus, sondern auch der Rechtsstaatlichkeit.
Ich wünschte alle autorisierten Stellen würden mit Nachdruck dafür sorgen, dass die zur lückenlosen Wahrheitsfindung benötigten Fakten und Beweise zur Verfügung gestellt werden würden. Nur so können, die meines Erachtens engagiert arbeitenden Mitglieder der Untersuchungsausschüsse – insbesondere des Bundestages- ihre Arbeit zu einem erfolgreichen Abschluss führen.
Wir sind der Meinung nur so ist es möglich einen Teil des Vertrauens in unser Rechtssystem wieder herzustellen – dies gilt nicht nur für unsere ausländischen sondern auch deutschen Mitbürger.
Um die Frage der Daseinsberechtigung des Verfassungsschutzes zu klären bedarf es sicher kompetenterer Menschen als mich.
Vielleicht mag es ein wenig naiv klingen, aber geht es nicht letztlich auch um die Hinterfragung von Ehre, Ehrlichkeit, Rechtsempfinden und dem Schutz der Verfassung??
Müsste ich jedoch ein Statement abgeben, dann am Liebsten mit einem Zitat von Albert Einstein: „Wichtig ist es, dass man nicht aufhört zu fragen“
In der Hoffnung dass wir alle irgendwann ehrliche Antworten erhalten, möchte ich mich herzlich bei Ihnen bedanken
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