Bündnis kritisiert Prozessverschiebung als ungeheuere Unsensibilität des GerichtsAlliance criticizes postponement of the trial as enormous insensitivity

15. April 2013; Pressemitteilung

Wie das OLG heute mitgeteilt hat, wird der Auftakt des Prozesses gegen den NSU um rund drei Wochen verschoben, um eine neues Akkreditierungsverfahren für die Presse zu beginnen. Das Bündnis gegen Naziterror und Rassismus kritisiert die Verschiebung scharf.

Die Entscheidung des OLG zeugt von einer ungeheueren Unsensibilität des Gerichts den Angehörigen der Opfer gegenüber. Die Angehörigen haben ihre Leben rund um den nun verschobenen Termin organisiert und sich emotional auf den Auftakt vorbereitet. Die plötzliche Verschiebung stellt eine starke Belastung dar, die das Gericht auf jeden Fall hätte vermeiden müssen„, so Bernd Kaminski, Pressesprecher des Bündnisses gegen Naziterror und Rassismus. „Es ist offensichtlich, dass das Gericht nicht versteht, welch immense Bedeutung diesem Prozess zukommt. Nach der jahrelangen Drangsalierung der Angehörigen durch die polizeilichen Ermittlungen setzt die Prozessverschiebung nun dieser eklatanten Missachtung unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger die Krone auf„, so Kaminski weiter.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Freitag zwei klare Wege aufgezeigt, wie eine Akkreditierung türkischer Medien ohne eine Verschiebung des Prozessauftakts zu bewerkstelligen gewesen wäre. „Die Verschiebung des Prozessbeginns ist objektiv nicht notwendig, wir haben keinerlei Verständnis dafür„, so Bernd Kaminski.

Das Bündnis gegen Naziterror und Rassismus hat seine Kundgebung am 17. April 2013 nun abgesagt. Anlässlich des neuen Prozessauftakts am 6. Mai 2013 hat das Bündnis eine neue Kundgebung angemeldet, die von 8 Uhr bis 13 Uhr vor dem Gericht stattfinden wird.Press release, 15 April 2013

Today the Higher Regional Court (‚Oberlandesgericht‘) informed the public that the trial against the NSU has to be postponed for three weeks because of a new press accreditation process. The Alliance Against Nazi-Terror and Racism criticizes the postponement severely:

The court’s decision shows an enormous insensitivity towards the victims‘ relatives. The relatives have organized their lives around the date and have prepared emotionally for the trial’s beginning which now has been postponed. This sudden postponement is a serious burden which should have been avoided by the court in any case”, comments Bernd Kaminski, spokesperson of the Alliance against Nazi-Terror and Racism. “Obviously the court doesn’t understand the significance of the trial. After all the harrassments by the police during the investigations, this postponement even tops the long lasting blatant disrespect towards our fellow citizens.”, Kaminski continues.

The German Federal Constitutional Court (‚Bundesverfassungsgericht‘) showed two modes how to accreditate Turkish media without having to postpone the trial. “Objectively the postponement is not necessary. This is completely beyond our comprehension.”, Bernd Kaminski points out.

The Alliance Against Nazi-Terror and Racism now has canceled its rally on April 17th 2013. It has registered a new rally on May 6th 2013, the new date of the start of the trial, from 8am to 1pm right in front of the court.