Archiv für den Monat: April 2013

13.04: Bundesweite Großdemonstration zum Auftakt des NSU-ProzessesApril 13: Central demonstration at the start of the NSU-trial

08. April 2013 Pressemitteilung

Am Samstag, den 13. April 2013, wird in München die zentrale bundesweite Demonstration zum anstehenden Auftakt des NSU-Prozesses unter dem Motto “Gegen staatlichen und alltäglichen Rassismus – Verfassungsschutz abschaffen!” stattfinden. Dem Aufruf des ‚Bündnis gegen Naziterror und Rassismus‘ haben sich mittlerweile über 200 Gruppen, Initiativen und Verbände aus dem gesamten Bundesgebiet angeschlossen.

Am Mittwoch, den 17. April 2013, wird vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer des NSU beginnen. Mit der Demonstration soll der Opfer des NSU gedacht und ein starkes Zeichen gegen Rassismus und rechte Gewalt gesetzt werden. Angesichts des Versagens der Behörden bei den Ermittlungen und den Skandalen um die Akkreditierung für den Prozess soll außerdem gezeigt werden, dass die Ermittlungen um die Taten des NSU und die Neonazi-Netzwerke um die Terrorgruppe von einer breiten kritischen Öffentlichkeit begleitet werden.April 08, 2013; press release

The central demonstration with the motto “Against institutional and everyday racism – Abolish the inland secret service!” at the start of the NSU-trial will take place on April 13 in Munich. The appeal of the ‘Alliance against Nazi-terror and racism’ has been signed by over 200 groups, initiatives and associations by now.

The trial against Beate Zschäpe and four other defendants will be held at the higher regional court in Munich and starts on April 17. The aim of the demonstration is the commemoration of the murdered victims and to send out a clear sign against racism and rightest violence. Given the failures during the investigations and the scandalous accreditation procedure for journalists we will ensure that the investigative clarification of the NSU attacks and the Nazi-networks supporting the Nazi-group will be brought to the public. Weiterlesen

„Es war eine furchtbare Zeit“„It was a terrible time“

06.04.2013; dpa Meldung
Mehrere Zeitungen  berichten in ihren heutigen online Ausgaben von der Veranstaltung «Das Problem heißt Rassismus – wir schauen hin», die gestern Abend im Kreuzberger «Nachbarschaftshaus» Urbanstraße stattgefunden hat. Ziel der Veranstaltung war es‚ nicht nur über die Ermittlungspannen im Zusammenhang mit der jahrelangen Mordserie der rechtsterroristischen Zelle NSU reden, sondern auch über den «strukturellen Rassismus» in Deutschland’ zu diskutieren. Dort sprach auch Elif Kubasik, die Witwe des 2006 in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik. Eindrücklich schilderte sie, wie traumatisierend die Ermittlungen gegen die Angehörigen waren. Jahrelang wurden die Opfer und deren Angehörige von den Behörden kriminalisiert und schikaniert. Anstatt einen rassistischen Hintergrund der Taten trotz einer Vielzahl an Hinweisen zu erkennen, ermittelte man gegen die Angehörigen und propagierte, die Morde seinen im Rahmen der organisierten Kriminalität, von Drogengeschäften oder von Auseinandersetzungen im Rotlichtmilieu verübt worden. Frau Kubasik kündigte an, dass sie vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen werde, wenn nicht die gesamte Struktur des NSU aufgeklärt werde.

vgl. Die Welt „Eine furchtbare Zeit“April 6, 2013
Several newspapers report in their todays issue about the discussion forum „The problem’s name is racism – we observe it“ that was held in Berlin yesterday. The aim of the panel discussion was to discuss structural racism in German rather than only the untenable faults during the crime investigations. One of the speakers was Elif Kubasik, widow of Mehmet Kubasik, who was murdered by the NSU in 2006 in Dortmund. Hauntingly she told about the traumatising way, authorities treated the relatives of the victims. They continuously accused and harassed them. Instead of considering a racist background of the murders, investigators claimed the murders happened in the context of organised crime, drug dealing or prostitution. Mrs. Kubasik stated further that she will appeal at the European Court for Human Rights if not all structural aspects of the NSU will be unravelled and brought up during the current trial.

see also: Die Welt „Eine furchtbare Zeit“ (in German only)

Jahrestag der Ermordung von Halit YozgatAnniversary of the murder of Halit Yozgat

Halitplatz KasselAm heutigen Samstag, den 06. April, jährt sich die Ermordung Halit Yozgats. Er wurde 2006 im Alter von 21 Jahren in einem Internetcafé in Kassel vom ‚Nationalsozialistischen Untergrund‘ ermordet, nur zwei Tage nachdem der NSU Mehmet Kubaşik in Dortmund getötet hatte.
Andreas T. ein Beamter des hessischen Verfassungsschutzes surfte zur Tatzeit in dem Café im Internet, bemerkte von der Ermordung aber angeblich nichts, obwohl er offenbar noch bezahlte und das Geld auf den Tresen legte, nachdem die Schüsse auf Halit Yozgat bereits gefallen waren. Ermittlungen gegen den Verfassungsschützer, der wegen seiner rechten Gesinnung auch als „kleiner Adolf“ bekannt gewesen sei, wurden 2007 eingestellt (SZ: 16.11.11).

Am vergangenen Dienstag, den 02.04.2013, war eine Gedenktafel für Halit Yozgat in Kassel von Unbekannten mit schwarzer Farbe beschmiert worden. Wie die antifaschistische Initiative ‚Recherche Nordhessen‘ berichtet, gab es in der Vergangenheit in Kassel bereits mehrfach Schmierereien, die sich positiv auf den NSU bezogen hatten.Halitplatz KasselThe murder of Halit Yozgat happened on the 6th of April seven years from today. He was murdered in 2006 by the ‚National Socialist Underground‘ in an internet café in Kassel, just two days after the NSU had killed Mehmet Kubaşik in Dortmund.

Andreas T., an officer of the Hessian secret service (‚Verfassungsschutz‘) was surfing on the internet in the café when the killing happened. Allegedly he didn’t notice anything, although apparently he payed and put the money on the counter after the shooting had already taken place. Investigations against the secret service officer, who was reportedly known as ‚little Adolf‘ due to his rightist attitude, were discontinud in the beginning of 2007 (Süddeutsche Zeitung: 16.11.11).

On last Tuesday, 2 April 2013, a commemorative plaque for Halit Yozgat in Kassel was smeared with black color. The offenders remained unknown, but as the antifascist initiative ‚Recherche Nordhessen‘ reports, several slogans and graffiti sympathetic to the NSU had appeared in Kassel in the past.

„Gab es zweiten NSU-Anschlag in Dortmund?“„Did the NSU strike a second time in Dortmund?“

05.04.2013
In ihrer Mittwochsausgabe spekuliert die WAZ, ob es im Jahre 2006 einen zweiten Anschlag in Dortmund durch den NSU gegeben hat. Fakt ist, dass es in der Nacht vom 30. März auf den 31. März 2006 einen Brandanschlag auf ein türkisches Bildungszentrum in Dortmund gegeben hat. Grundlage der Annahme ist ein nicht näher benanntes Papier, das belege, dass Uwe Mundlos am Tag nach dem Anschlag und drei Tage vor dem Mord an Mehmet Kubaşık in Dortmund gesehen worden sei und das der Ort auf einer Karte, die in der Wohnung in Zwickau, in der sich Mitglieder des NSU versteckt hielten, vermerkt worden sei.April 5, 2013
In its Wednesday issue the newspaper WAZ suspects that the NSU stroke a second time in 2006 in Dortmund. In fact, the police never unravelled an arson attack on a Turkish education centre that happened end of March 2006. The new suspicion is based on an undefined paper that states that Uwe Mundlos was seen in Dortmund the day after the attack and three days prior to the murder on Mehmet Kubaşık. Furthermore the centre was indicated on a map that was found in the apartment in Zwickau, where members of the NSU hid until 2011.

Die Demonstrationsroute: Entlang wichtiger Symbole Münchner Nazi-GeschichteThe demonstration route: Passing key sites of Munich Nazi-history

Die Demonstration am 13. April 2013 beginnt am Stachus mitten in der Innenstadt. Weitere zentrale Punkte entlang der Route sind:

Schillerstraße
In der Schillerstraße im Bahnhofsviertel verübten am 7. Januar 1984 Neonazis der „Gruppe Ludwig“ einen Brandanschlag auf die Diskothek „Liverpool“. Eine Person wird getötet und ca. 30 werden verletzt. In Italien beging die Gruppe weitere Anschläge und Morde. In Mailand töten sie 1983 mit einem Brandanschlag auf ein Pornokino sechs Menschen. In den Jahren zuvor hatten sie in Italien mehrere Morde begangen, die durch ihren Hass auf Sexarbeiter_innen, Homosexuelle, Sinti_izza und Drogenkonsument_innen motiviert waren. Der Anschlag auf das „Liverpool“ ist heute in München weitestgehend vergessen.The demonstration on April 13, 2013, will start at Stachus square in the city center. Further central stops of the demonstration include:

„Schillerstraße“
On January 7th 1984 some neonazis of the „Gruppe Ludwig“ (group Ludwig) comitted an arson attack on the discotheque „Liverpool“ in Schiller Street located in the Central Station district. One person died, around 30 got injured. In Italy the group comited more attacks and homicides. In Milan they killed six persons by an arson attack on a porncinema in 1983. During previous years they had committed several homicides in Italy which had been always motivated by their hatred of sex workers, homosexuals, sinti_izza and drug consumers. The attack on the „Liverpool“ disco has been almost forgotten in Munich. Weiterlesen

offener Brief der Anwohner der Kölner Keupstraße ans OLG München

02.04.2013

Die vergangen Tagen waren geprägt von Diskussionen um das Vergabeverfahren für die wenigen Plätze, die am OLG München für JournalistInnen zur Verfügung stehen. In einem Nachtrag möchte wir einen offenen Brief an das OLG München vom 27.03.2013, der uns heute freundlicherweise von den Anwohnern der Kölner Keupstraße, einem der Anschlagsorte, zur Verfügung gestellt wurde, veröffentlichen. Darin heißt es: Weiterlesen

Rassistische Gewalt geht weiterRacist violence continues

Pressemitteilung vom 01. April 2013

Rassistischer Mordversuch in Coburg / Angriff von Neonazis auf Flüchtlingslager Vockerode

Am Donnerstag, den 28.03.2013, kam es zu einem rassistischen Mordversuch im oberfränkischen Coburg. Auf offener Straße beleidigte eine 63 Jahre alte Rentnerin eine junge Mutter mit ihren drei Kindern zunächst rassistisch, dann „fasste die Rentnerin den Vierjährigen und schleuderte das Kind auf die Bahnhofstraße“, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Coburg [1] heisst. Autos, die auf der Straße unterwegs waren, konnten noch bremsen, wodurch der Junge glücklicherweise nicht erfasst wurde. Er wurde allerdings leicht verletzt. Ermittlungen der Coburger Kriminalpolizei erhärteten den Verdacht des versuchten Mordes. Die Frau, die laut dem antifaschistischen Münchner a.i.d.a.-Archiv „einschlägig bekannt“ [2] sei, sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.

Wie die Flüchtlingsinitiative Wittenberg, eine von Flüchtlingen selbstorganisierte antirassistische Initiative, berichtet [3], kam es am Samstag, den 30.03.2013, zu einem Angriff von Nazis auf ein Flüchtlingslager in Vockerode, Sachsen-Anhalt. Drei Asylsuchende seien auf dem Weg zu der Unterkunft von drei Männern rassistisch beleidigt, mit Bierflaschen beworfen und verfolgt worden. Die Flüchtlinge konnten sich zunächst in dem Flüchtlingslager verstecken. Kurze Zeit später skandierten maskierte Männer vor dem Flüchtlingslager rassistische Parolen, zwei von ihnen drangen in das Haus ein, traten eine Wohnungstür ein und griffen zwei Personen tätlich an. Die 200 Flüchtlinge, die seit Ende 2012, „gezwungen sind im Lager Vockerode zu leben, sehen sich nach den Angriffen auf ihr Leib und Leben nun einer noch stärkeren Bedrohung ausgesetzt“, kommentiert die Flüchtlingsinitiative Wittenberg in ihrer Pressemitteilung.Press release from April 1, 2013

Attempted murder in Coburg / Neo-Nazis attack refugee camp in Vockerode

On Thursday, March 28 2013, there was an attempted murder by a racist in the Bavarian city of Coburg. A 63 years old woman racially insulted a young mother and her three children in the streets and then “grabbed the four-year-old and hurled him on the street“, as a common press release by the police headquarters of Coburg and the public prosecutor’s office of Upper Franconia [1] states. Cars driving in the street could fortunately brake before hitting the child. The boy suffered minor injuries. Investigations by the police of Coburg hardened the suspicion of an attempted murder. The women, who is described as “well known” [2] by the anti-fascist documentation project ‚a.i.d.a-Archiv‘ describes, is on remand by now.

The ‚Refugee Initiative Wittenberg‘, an anti-racist initiative organized by refugees, reports [3] that there was an attack by Nazis on the refugee camp in Vockerode, Saxony-Anhalt, on Saturday, March 30. Three asylum seekers were on the way to their accommodation, when three men racially insulted them, threw beer bottles at them and then chased them. Shortly after, masked men chanted racist slogans in front of the refugee camp. Two of them then entered the building, smashed down the door of an apartment and assaulted two persons violently. The 200 refugees living in Vockerode since the end of 2012 “feel exposed to an even bigger threat to life and limb after the attack”, comments the Refugee Initiative Wittenberg in their press release. Weiterlesen