„Mit dem Prozess ist es nicht getan: Anlass für weitere Ermittlungen und Konsequenzen““It’s not done with the trial: Occasion for further investigations and consequences”

Pressemitteilung, 02. Mai 2013.

Kundgebung zum Auftakt des ‚NSU-Prozesses‘
Montag, 06.05., ab 8 Uhr – direkt vor dem Gericht, Ecke Nymphenburgerstr. / Sandstr.

Am Montag, den 06.05.2013, beginnt nach Wochen der Skandale um das Oberlandesgericht München der Prozess gegen das NSU-Mitglied Beate Zschäpe und die vier mutmaßlichen Unterstützer Ralf Wohlleben, Holger Gerlach, Carsten Schultze und André Eminger.

Das Gericht hat von Anfang den riesigen Fehler gemacht, die soziale und politische Dimension des Prozesses zu ignorieren. Um der großen gesellschaftlichen Relevanz gerecht zu werden, hätte ein größerer Saal eingerichtet werden müssen“, kommentiert Thomas Spree, Sprecher des ‚Bündnis gegen Naziterror und Rassismus‘. „Nachdem die Verschiebung des Prozesses für die Angehörigen bereits unglaublich belastend war, ist es jetzt aber wichtig, dass der Prozess endlich startet. Es ist an der Zeit wieder über Inhalte zu reden – es geht um Nazis, die über Jahre hinweg aus rassistischen Motiven zehn Menschen töteten, Behörden, die das hätten verhindern können und um Rassismus. Das darf man nicht vergessen.

Press release, 02 May 2013

Protest rally on the occasion of the start of the ‘NSU trial’  on Monday, 06 May 2013
Begin: 8 am, directly in front of the court – Corner Nymphenburgerstr. / Sandstr.

After weeks of scandals around Munich’s Higher Regional Court (‚Oberlandesgericht‘), the trial against the NSU member Beate Zschäpe and the four suspected supporters Ralf Wohlleben, Holger Gerlach, Carsten Schultze und André Eminger begins on Monday, 6 May 2013,

The Court made the huge mistake to ignore the trial’s social and political dimension from the beginning. To do justice to the great relevance, a larger court room should have been set up”, comments Thomas Spree, spokesperson of the ‚Alliance against Naziterror and Racism‘. “But now since the trial’s postponement has already been a serious burden to the relatives of the victims, it is important that the trial begins now. It’s time to start talking about contents – it is about Nazis who killed ten people out of racist motivations over years. It is about authorities that could have prevented all this and it is about racism. That should not be forgotten.

The ‚Alliance against Naziterror and Racism‘ will stage a protest rally directly in front of the court on Monday from 8 am to show that the trial and the investigations are still accompanied and observed by a critical public also outside of the court room.

With the protest rally we want to commemorate the victims of the NSU and show our solidarity with the relatives. Furthermore we once again want to strengthen our demands: It is not done with the trial – it must be the occasion for further investigations and consequences. The entanglements of the domestic secret service (‚Verfassungsschutz‘) have to be revealed and this authority has to be abolished. Beyond that the Neonazi networks that have supported the NSU for years have to be uncovered and combated”, claims Spree. “In addition, the racist investigations and the suspicions against the families of the victims have to initiate a broad societal debate: We have to discuss institutional racism and the underlying societal racism in Germany.Das ‚Bündnis gegen Naziterror und Rassismus‘ wird direkt vor dem Gericht ab 8 Uhr morgens eine Kundgebung abhalten um zu zeigen, dass der Prozess und die Ermittlungen auch außerhalb des Gerichtssaals weiterhin von einer kritischen Öffentlichkeit begleitet wird.

Mit der Kundgebung möchten wir der Opfer des NSU gedenken und unsere Solidarität mit den Angehörigen zeigen. Darüber hinaus wollen wir einmal mehr unsere Forderungen stärken: Mit dem Prozess ist es nicht getan, er kann nur Anlass für weitere Ermittlungen und Konsequenzen sein. Die Verstrickungen des Verfassungsschutzes müssen vollständig aufgeklärt werden und die Behörde muss abgeschafft werden. Darüber hinaus müssen die Neonazi-Netzwerke, die den NSU jahrelang unterstützt haben, aufgedeckt und bekämpft werden“, fordert Spree weiter. „Und nicht zuletzt müssen die rassistischen Ermittlungen und die Verdächtigungen gegen die Opfer-Familien Anlass für eine breite gesellschaftliche Diskussion sein: Wir müssen eine Debatte führen über institutionellen Rassismus und den zugrunde liegenden gesellschaftlichen Rassismus in Deutschland.