Angeklagter im NSU-Prozess nimmt an Sommerfest in Obermenzinger Nazizentrum teil

Pressemitteilung, 25.07.2013

„Das Nazizentrum in Obermenzing muss sofort geschlossen werden!“ / „Die Verbindungen des NSU zur Münchener Naziszene müssen restlos aufgeklärt werden!“

Wie das Münchner a.i.d.a-Archiv nun berichtet (siehe: Rechte Aktivitäten, 20. Juli 2013) hat der mutmaßliche NSU-Unterstützer André Eminger am vergangenen Samstag, den 20.07.2013, an einem Sommerfest bayerischer Neonazis im Nazizentrum in München-Obermenzing teilgenommen. André Eminger ist derzeit Angeklagter im Münchner NSU-Prozess. Ihm wird u.a. Beihilfe zum Mord, Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ebenfalls anwesend waren die ehemaligen Mitglieder der terroristischen Wiese-Gruppe, Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger, sowie hochrangige Kader der Freien Netz Süd (FNS), u.a. Norman Kempken, Matthias Bauerfeind und Tony Gentsch.

Es bestehen schon seit längerer Zeit enge Verbindungen zwischen André Eminger, dessen ebenfalls in der Neonaziszene aktiven Bruder Maik Eminger und Führungskadern der Münchner Naziszene. Bereits am ersten Prozesstag versuchte Maik Eminger sich gemeinsam mit Karl-Heinz Statzberger Zutritt zum Prozess zu verschaffen. Zudem waren die beiden Eminger-Brüder während der Verhandlungstage im NSU-Prozess im Obermenzinger Nazizentrum zu Gast.

In der Carl-Hanser-Straße 42 in München-Obermenzing besteht seit einigen Monaten ein als Wohngemeinschaft getarntes Neonazizentrum von überregionaler Bedeutung. Das von den Nazis selbst „Braunes Haus“ genannte Projekt dient der lokalen Szene als Stützpunkt und ist fest in die Strukturen des „Freien Netz Süd“ eingebunden. Zu den Mietern gehört Vanessa Becker, die für die NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) bei den Kommunalwahlen kandidieren will. Vor knapp zwei Wochen wurde das Gebäude im Rahmen bayernweit stattfindender Razzien gegen das Freie Netz Süd von der Polizei durchsucht.

Die Frage nach einer direkten Unterstützung der Morde des NSU durch Münchner Neonazis drängt sich auf und muss restlos geklärt werden. Die enge und offenbar freundschaftliche Verbindung zwischen dem Angeklagten im NSU-Prozess, André Eminger, und Münchner Neonazis, darunter ehemalige Mitglieder der terroristischen Wiese-Gruppe und hochrangige Kader des Freien Netz Süd, ist eindeutig. Weit über den Prozess hinaus muss endlich die gesamte Dimension der Nazi-Netzwerke, die den NSU unterstützten, aufgedeckt werden„, fordert Thomas Spree, Pressesprecher des ‚Bündnis gegen Naziterror und Rassismus‘ und fährt fort:

Die Tatsache, dass Rechtsterroristen im Obermenzinger Nazizentrum gern gesehene Gäste sind, zeigt klar die menschenverachtende Gesinnung seiner Bewohner. Dass dort angesichts zweier Morde des NSU in München und dem laufenden Prozess auch noch ein rechtes Sommerfest gewalttätiger Neonazis stattfindet, ist unerträglich. Das Nazizentrum in der Carl-Hanser-Straße muss sofort geschlossen werden!