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„Umfangreiche Konsequenzen weit über den Prozess hinaus““Extensive consequences far beyond the NSU trial are needed”

Pressemitteilung vom 25.03.2013

Demonstration am 13.04.2013: Solidarität mit den Opfern und entschlossene Forderungen / Zahlen zur Unterstützer_innen-Szene des NSU verweisen erneut auf dessen tiefe Verwurzelung in deutscher Naziszene

Mit einer Pressekonferenz am heutigen Montag, den 25. März 2013, stellte sich das Bündnis gegen Naziterror und Rassismus der Öffentlichkeit vor. Das Bündnis, unterstüzt von mehr als 130 Gruppen, Verbänden und Parteifraktionen, wird den Prozess gegen den NSU kritisch begleiten und ruft für Samstag vor Prozessbeginn, den 13. April 2013, zu einer bundesweiten Großdemonstration auf.
Wir möchten, dass die Solidarität mit den Opfern, die jahrelang von den Behörden kriminalisiert und schikaniert wurden, bei der Demonstration im Vordergrund steht.“, erklärte Bernd Kaminski, Pressesprecher des Bündnis, auch im Hinblick darauf, dass Angehörige bei der Demonstration teilnehmen und sprechen werden. Die Demonstration solle daher bewusst mit einem offenen Chrarakter die Vielfalt des Bündnisses widerspiegeln und zu einer breiten gesellschaftlichen Teilnahme einladen. „Gleichzeitig möchten wir entschlossen einen notwendigen Antirassismus und Antifaschismus zeigen“, so Kaminski weiter. „Aus den Taten des NSU und dem katastrophalen Verhalten der Behörden müssen umfangreiche Konsequenzen weit über den Prozess hinaus gezogen werden. Das Versagen der Behörden und der zugrunde liegende Rassismus müssen vollständig aufgeklärt werden. Außerdem müssen die engen Verstrickungen von Verfassungsschutz und Naziszene aufgedeckt werden.

Unterdessen hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann in einer Pressemitteilung zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des NSU am vergangenen Freitag verkündet, den Rechtsterrorismus „künftig noch stärker und nachhaltiger als bisher zu bekämpfen“. Dabei wurden rechtsterroristische Bestrebungen in den bayerischen Verfassungsschutzberichten der ihm unterstellten Behörde – entgegen aller Anzeichen, wie den Anschlagsplänen der Wiese-Gruppe oder den großen Waffenfunden von Neonazis auch in Bayern – jahrelang nicht erwähnt bzw. verharmlost, während zeitgleich antifaschistische Initiativen, die auf die Gefahr von Rechts hingewiesen haben, von Verfassungsschutz und bayrischem Innenministerium massiv diskreditiert wurden. „Vor dem Hintergund der am gestrigen Sonntag bekannt gewordenen neuen Zahlen, wonach mittlerweile 129 Rechtsextreme zu den Unterstützer_innen des NSU gezählt werden und angesichts der fünf Morde des NSU in Bayern, sind Herrmanns Äußerungen einfach nur zynisch“, kommentiert Kaminski. „Es ist offensichtlich, dass der NSU keine isolierte Zelle war, sondern jahrelang tief verwurzelt in der deutschen und bayerischen Naziszene vor den Augen des Innenministeriums agierte.Press release. March 25, 2013

Demonstration on April 13: Solidarity with the victims / Increasing numbers of NSU-supporters prove its clear connections with German Nazi-networks

During todays press conference the ‘Alliance against Nazi-terror and racism’ presented itself for the first time to a broad public. The alliance, that is currently supported by about 130 groups, associations and fractions of some political parties, will critically follow and comment on the trial against alleged members of the German Nazi group ‘Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)’ at the appellate court in Munich. It calls out for a Germany-wide demonstration on April 13, the Saturday prior to the official commencement of the trial, which is scheduled for April 17.

“It is mainly the solidarity with the victims and their relatives, who had been criminalized and harassed for years by German authorities, that we would like to express during the demonstration” states Bernd Kaminski, spokesman of the alliance. As family members of the victims will attend and speak during the demonstration, it should have an open character. This not only reflects the diversity of groups within the alliance but also invites for broad participation. “We will however be straight and clear on our demands for anti-racism and anti-fascism” continues Kaminski. “We need far-reaching consequences of the crimes committed by the NSU and the intolerable behaviour of the authorities that go beyond the trial itself. The partially deliberate failure of the security agencies with its underlying racism within the institutions has to be entirely unravelled. All entanglements of the German inland secret service with Nazi groups have to be uncovered.”

The Bavarian minister of the interior Joachim Herrmann meanwhile published a press release in frame of a commemoration ceremony last Friday stating that Nazi terror “has to be even more consequently and sustainably fought”. Such statements appears in a way bizarre considering that it was the reports of the inland secret service that is under control of Herrmann’s ministry that ignored and neglected all evidence that Nazi groups planned attacks and armed themselves. Even when police discovered weapons at Bavarian Nazi groups, their danger was played down systematically. In contrast the agency always criminalized antifascist groups that continuously warned about regaining Nazi networks.

“Considering new facts on the increasing numbers of NSU-supporters and the murders committed by the NSU, Herrmann’s statement is cynical,” comments Kaminski. “It is obvious that the NSU wasn’t acting along but that it was supported by German Nazis who were under permanent observation by the secret service. But it didn’t do anything.”